Oktober 2018 – Das Wesen und sein Licht

 

Das Malen öffnet den Zugang zur Welt auf eine universelle Art.

Die Kunst erlaubt es in uns zu erwachen, einem bestimmten Gefühl nachzugehen, es neu zu erleben.

Es entsteht ein starker Drang zurückzukehren. An Orte, wo wir ganz uns selbst gehörten, aufgelöst in einem Wohlgefühl vor der Welt und unserem Sein.

Flüchtige Stimmungen in etwas Dauerhaftes verwandeln. Ein Spiegel des Stummen, des Sprachlosen. Ein Reflektor des Versunkenen, der das Ewige zurück an die Oberfläche bringt, in den Erinnerungsraum des Menschen.

Es geht darum dem flüchtigen Strom der Zeit etwas Dauerhaftes zu entnehmen und es in das eigene Licht zu stellen. Dadurch befreien wir uns und binden uns gleichzeitig an Objekte, die der Erinnerung entstammen können, genährt aus einem Sonnentag am Meer oder aus einem tiefen nie erfüllten Wunsch.

Neuanfang und Furcht vor einem anderen Leben, die Phantasie wird Realität. Iris steht für eine große Geschichte der Selbstfindung.


Mai 2018 – Episoden / Momente

 

Ich male was ich erlebe, draußen auf der Straße, in den Wäldern in einer fremden Stadt. Was ich in mir sehe, in meinen Träumen, in den kurzlebigen Stimmungen, die oft so kurz sind wie ein Augenaufschlag einer Fremden. Das Malen ist für mich eine von vielen Möglichkeiten, den inneren Dialog mit der Außenwelt und dem Ich sichtbar zu machen. Episoden großer Bereitschaft, Momente der Kraft, und dahinter immer das kindlich suchende Ich, der Teil, der zurück tritt, wenn die Wand aus Blicken, aus Worten zu groß wird.

Am Abend, vor dem Einschlafen, bleibt mir nur dieses Gefühl: dem Universum etwas zurück gegeben zu haben, das mir geschenkt wurde. Ich will zurück und dem Gefühl wieder begegnen, es erneut in den Händen halten, es umfassen, in den Arm nehmen, ich will mit mir selbst und meiner Erinnerung kommunizieren. Mein Ich ist eine Sozietät, eine Ansammlung von vielen Geschichten anderer Menschen mit Rücksicht auf meine eigene Geschichte. Eine Zusammenschau all meiner Begegnungen mit Menschen.

Durch mein Malen besuche ich die Menschen, die meinen Weg für immer verlassen haben. Mit Hilfe von Symbolen versuche ich das Gewirr aus Formen so zu kombinieren, dass es einem
Gefühl entspricht, welchem ich in meinem Leben gefolgt bin. Eine Kombination von Geschichten, die den Hintergrund meines Lebens erzählen.

Geschichten, reflektiert von einem Ich, das meinen Handlungen zugesehen hat und meinen Bewegungen gefolgt ist. In den Menschen lebt eine spezielle Kraft, durch die sie ihre Äußerungen, ihre Gefühle bilden und so ihrem Ich ein Sein gegenüberstellen.

Das Umrunden der Sonne, unsere Vergangenheit bildet diese Kraft, erschafft mit der Zeit einen Weg, eine Spurrille. Entlang dieser Vertiefung sammeln sich immer häufiger die Tropfen unserer Eindrücke. Wir gehen gerne Wege, die wir kennen. Wasser sucht sich den kürzesten Weg, folgt seiner Schwerkraft.

Verena Baur zeigt sich in ihrem Atelier in der Grazer Innenstadt
Im Atelier

Aber was ist, wenn wir einen Weg wählen, den andere schon vor uns gemacht haben, oder der von Regeln und Ansichten geschaffen wurde, von unsichtbaren Kräften, die uns lenken? Was ist wenn wir nicht mehr sein wollen, was wir angelegt haben mit fremder Hilfe? Wann sind wir, ganz wir selbst? Wo hören wir auf mit dem Spiel, wo sind wir authentisch?

Ich spüre diesem Verhältnis in meinen Bildern nach und erwecke meine vielen Ichs erneut zum Leben. Etwas das man erkennt, was zuvor in einem gelegen hat, aber nicht wusste, das man es in sich hat.

Mit Hilfe realistischer Bildsprache habe ich ein Vehikel für meinen subtil geäußerten Wunsch gefunden mich der Welt zu nähern.

Denn auch meine Träume sind aus Tropfen von Bildern entstanden, die ihren Ursprung schließlich allein der Natur verdanken. Nur so kann ich mich der Welt vorsichtig nähern. In Zeiten des Kämpfens, die im Moment der Gegenwart, zu überwältigend sind, um ausgesprochen zu werden.

 

 


 

April 2018 – Erweiterung

Verena Baur malt was sie erlebt. Durch die Erfahrung im Kontakt zu Menschen und Natur, formen sich ihre Vorstellungen von Schönheit. Das direkte Erleben ihrer Umwelt, seien es Episoden aus dem sozialen Leben oder tagelanges Wandern in den Bergen, oder die Rückkehr an wichtige Orte, ist für sie der Schlüssel zu sich selbst.

Die Malerei liefert eine besondere Art der Kommunikation, die durch ein vielfältiges Netz aus Interaktionen zu Menschen, zu ihr selbst und zur Natur besteht.Verena Baur Grazer Künstlerin 2018

Situationen außerhalb der gewohnten Bereiche, eine Nacht im Gewitter auf einem exponierten Berg, ein Februarnachmittag in einer verschneiten Nordwand, der Aufbruch zu einer wochenlangen Fahrt allein mit dem Rad, oder ein mehrtägiger Spaziergang in unbekannte Landschaften, erlauben die Verschiebung von inneren Grenzen.

Die Entwicklung von Ideen, Planung und Umsetzung in die Realität ist das immer wiederkehrende Muster des Lebens. Eines wahrhaftigen Lebens. Der Drang Bilder zu malen verbindet sich mit dem Drang Neues zu sehen und zu erleben. Das Erleben der Bilder stand immer vor dem künstlerischen Schaffen. Als Bedingung.

Die Malerei ist Mittel eine eigene Welt zu erschaffen, die von der menschlichen Idee und Vorstellung über die Natur, hin zu einer konkreten künstlerischen Realisierung verläuft.

„Durch das Malen beginne ich das Leben transzendent wahrzunehmen. Malen ist für mich Religion. Gefühle bildnerisch zu transportieren ist eine Erweiterung ihrer Intensität. Das gemalte Bild eines intensiven Gefühls, befreit mich von der Beschränktheit der bloßen Worte.“